Der Berggasthof · Piesau · Ernstthal · Rennsteig
Ein Ort im Wald.
Viele Geschichten.
Aus Stein wurde ein Schreibgerät. Aus einem Arbeitsort eine Herberge. Und aus Zeit am Rennsteig werden Erinnerungen.
12 Lesestationen · etwa 18 Minuten · historische Ansichten zum Vergrößern

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Wer heute am Berggasthof zwischen Finnhütten und Waldrand steht, sieht einen Ort zum Ankommen. Hinter diesem ersten Eindruck liegen jedoch ganz andere Zeiten: Steinbrüche und Werkstätten, Glashütten in den Nachbarorten, Wanderer auf dem Rennsteig, politische Grenzen und einschneidende Veränderungen. Der heutige Berggasthof war Arbeitsstätte, Herberge und staatlich genutztes Objekt, bevor er seine heutige Gestalt als Feriendorf erhielt.
Diese Geschichte führt deshalb auch nach Piesau, Ernstthal und Lauscha. Die Orte teilen eine Landschaft und viele Verbindungen, obwohl ihre Wege nicht immer unter derselben Herrschaft verliefen. Historische Ansichten begleiten die Erzählung; die Quellen stehen jeweils beim Kapitel. Wo eine Jahreszahl allein aus der örtlichen Chronik stammt, wird das kenntlich. So lässt sich der Wald mit anderen Augen betrachten – als Landschaft, in der Menschen über Jahrhunderte gearbeitet, gelebt und neue Anfänge gesucht haben.
Bevor der Wald zur Auszeit wurde
Die Geschichte des Berggasthofs beginnt nicht mit Gästen und freien Tagen. Der Wald um Piesau, Ernstthal, Lauscha, Hasenthal und Spechtsbrunn war zunächst vor allem Lebens- und Arbeitsraum. Holz, Glas und Schiefer verbanden die Dörfer miteinander. Was heute auf einer Wanderung als abwechslungsreiche Waldlandschaft erscheint, musste früher Familien ernähren und Gewerbe ermöglichen. Wege führten zu Hütten, Arbeitsplätzen und Absatzmärkten; die Nutzung von Boden und Wald war entsprechend wichtig.

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Eine frühneuzeitliche Glashütte bestand dabei aus mehr als einem Ofen. Die Historikerin Anna-Victoria Bognár zeigt anhand von Konzessionen und Lehnsbriefen, wie eng Produktion, Wohnen, Ackerflächen und Waldrechte zusammengehörten. Wer Glas herstellen wollte, brauchte handwerkliches Wissen, aber auch die Erlaubnis zur Niederlassung und zur Nutzung der notwendigen Ressourcen. Fürsten förderten Gewerbe, erwarteten Einnahmen und behielten zugleich die Verfügung über Land und Wald im Blick.
Aus dauerhaft eingerichteten Hüttenplätzen konnten Dörfer entstehen. Zwischen einer Genehmigung, dem ersten Hüttenbau, der ersten Glasschmelze und einer rechtlich geordneten Siedlung lagen mitunter mehrere Jahre. Gerade für Piesau erklärt das die unterschiedlichen Gründungsdaten, die bis heute begegnen. Sie erzählen verschiedene Schritte derselben Entwicklung.
Das spätere Feriendorf Berggasthof Brand lässt sich erst in diesem größeren Zusammenhang verstehen. Seine Geschichte gehört zu einer Region, deren Menschen aus örtlichen Rohstoffen erstaunlich unterschiedliche Dinge schufen: Glaswaren und Porzellan ebenso wie Schreibgeräte aus Stein. Der GeoPfad Hasenthal greift diese Verbindung von Landschaft, Gestein und menschlicher Arbeit auf. Er macht aus dem Blick auf einen alten Bruch zugleich einen Blick in die Geschichte der Umgebung.
Wald war nicht nur Kulisse. Er war die Grundlage des Lebens.
Vom Hüttenfeuer in die Welt
1597 erhielten Hans Greiner und Christoph Müller von Herzog Johann Casimir zu Sachsen-Coburg die Konzession für die Lauschaer Glashütte. Damit beginnt ein besonders wirkungsreicher Abschnitt der regionalen Gewerbegeschichte. Das Wissen der Glasmeister blieb nicht an einem einzigen Ort. Menschen, Familienbeziehungen und handwerkliche Erfahrung trugen es in die Nachbarschaft. Auch die Entstehung weiterer Glasmacherdörfer ist mit diesem Austausch verbunden.
Im 19. Jahrhundert erweiterten sich die Möglichkeiten der Glasverarbeitung erheblich. Ludwig Müller-Uri entwickelte 1835 das künstliche Menschenauge aus Glas in seiner modernen Form. Die Stadtgeschichte von Lauscha erinnert damit an eine Leistung, deren Bedeutung über Schmuck und Gebrauchsgegenstände hinausging. Ein Material, das durch Hitze formbar wurde, konnte anschließend außerordentlich präzise Aufgaben erfüllen.
Gläserne Früchte und Nüsse aus den 1840er Jahren gehören wiederum zur Vorgeschichte des Christbaumschmucks. Mit der Gasanstalt von 1867 wurde das Arbeiten an der Flamme in Heimwerkstätten erleichtert. Die Arbeitswelt reichte dadurch bis in die Wohnhäuser hinein. Kleine, empfindliche und kunstvoll gefertigte Dinge verließen die Gebirgstäler und fanden Käufer weit außerhalb der Region.

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Dieser Wandel lässt sich nicht auf einen einzigen berühmten Gegenstand reduzieren. Er erzählt von Übung, Materialkenntnis und immer neuen Anwendungen. Für die Geschichte des Berggasthofs ist Lauscha deshalb ein wichtiger Nachbar: Während beim heutigen Berggasthof Stein zu Griffeln verarbeitet wurde, entstanden in der Umgebung Waren aus Glas. Verschiedene Gewerbe nutzten denselben regionalen Zusammenhang aus Wald, Wegen und handwerklicher Erfahrung. Wer den Rennsteig erkundet, bewegt sich auch durch diese Landschaft des Könnens.

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Aus einer Glashütte wächst ein Dorf
Für Piesau nennt die örtliche Chronik drei Daten, die zusammengehören: 1621 genehmigte Johann Philipp von Sachsen-Altenburg die Glashütte, am 30. August 1622 wurde zum ersten Mal Glas geschmolzen, und am 14. Juni 1627 folgte die formale Ortsgründung. Das Jubiläum „400 Jahre Glas aus Piesau“ im Jahr 2022 erinnert folglich an den Produktionsbeginn. Es widerspricht nicht der früheren Genehmigung oder dem späteren Gründungsakt.
Vier Glasmeisterfamilien um Heinz, Bock, Dietz und Schott begründeten nach der Ortsdarstellung eine Hütte mit zwölf Arbeitsständen und eigenen Wohnhäusern. Die Erinnerung an die frühen Hausplätze hat sich in der lokalen Überlieferung erhalten. Piesau war zu Beginn also kein fertiges Dorf, das nach einer neuen Industrie suchte. Die Arbeit kam zuerst; um sie herum entstand über Generationen ein Ort mit dauerhaftem Alltag.

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Wie weit solche örtlichen Fähigkeiten tragen konnten, zeigt Carl Heinrich Florenz Müller. Er wurde 1845 in Piesau geboren und ging 1863 nach Hamburg. Dort führte sein Weg von Glasarbeiten und physikalischen Apparaten zur Röhrentechnik. Nach Röntgens Entdeckung begann er 1896 mit der Herstellung von Röntgenröhren. Die Piesauer Biografie nennt für 1899 ein Patent zur wassergekühlten Antikathode. Müller erfand nicht die Röntgenstrahlen; sein Beitrag lag in technischen Geräten, die ihre Nutzung unterstützten.
Auch die Gebäude des frühen Piesau durchliefen mehrere Leben. Nach einem Hüttenneubau von 1910 diente die alte Hütte anderen Zwecken, bevor sie 1964 abbrannte. Die Geschichte eines Gewerbes steckt deshalb nicht allein in erhaltenen Fassaden. Namen, Ortschroniken, Bilder und die Erinnerung an verschwundene Arbeitsplätze ergänzen das, was sich heute noch unmittelbar sehen lässt.
Nahe Nachbarn, verschiedene Herrschaften
Ernstthal entstand 1707 durch die Gründung einer Glashütte. Die Forschung zur Lauschaer Hüttengeschichte beschreibt den Ort als Gründung von Glasmeistern aus Lauscha. Erfahrungen wurden nicht einfach in Büchern weitergegeben: Menschen nahmen sie an neue Arbeitsorte mit. Familienwissen und wirtschaftliche Beziehungen verbanden die Hütten miteinander, auch wenn jede Ansiedlung ihre eigenen Bedingungen hatte.
Der Ortsname erinnert an Herzog Johann Ernst von Sachsen-Saalfeld. Eine historische Darstellung der Stadt Saalfeld ordnet Ernstthal seiner Gewerbeförderung zu; auch die benachbarte Gründung Henriettenthal von 1720 gehört in diesen Zusammenhang. Hinter dem vertrauten Namen eines Waldortes steht damit eine konkrete politische und wirtschaftliche Geschichte. Wie in Piesau bildete die Hütte den praktischen Kern: Arbeit zog Wohnhäuser und dauerhafte Ansiedlung nach sich.
Trotz ihrer Nähe besitzen die Dörfer keine einheitliche Herrschaftsgeschichte. Piesaus frühe Hüttengründung erfolgte unter Sachsen-Altenburg, Ernstthal entstand im Zusammenhang mit Sachsen-Saalfeld. Später trafen im Piesauer Winkel Sachsen-Meiningen und Schwarzburg-Rudolstadt aufeinander. Waldstücke in unmittelbarer Nachbarschaft konnten unterschiedlichen Rechten unterliegen. Der gemeinsame Landschaftsraum war zugleich ein Raum kleiner Staaten und wechselnder Zuständigkeiten.
Grenzsteine, Konzessionen und Forstunterlagen gehören deshalb ebenso zu dieser Geschichte wie Glasöfen. Das Thüringer Archivportal verzeichnet beispielsweise Unterlagen über Waldboden und Bauplätze in Ernstthal, Hasenthal und Piesau. Hinter solchen nüchternen Titeln stehen Lebensfragen: Wo durfte eine Familie bauen, welches Land ließ sich bewirtschaften, wer entschied über einen Tausch? Überlieferungen wie die vom Soldatenwinkel ergänzen das örtliche Gedächtnis. Sie bleiben Erzählungen der Region und sollten nicht mit einem urkundlich bewiesenen Einzelereignis verwechselt werden.

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Wie aus Wegen der Rennsteig wurde
Der Rennsteig wirkt heute wie ein selbstverständliches Band durch die Landschaft. Historisch entstand seine Bedeutung jedoch aus mehreren Schichten. Der Rennsteigverein unterscheidet ältere Grenz- und Verkehrsabschnitte von der neuzeitlichen Gesamtstrecke. Die häufig genannte Ersterwähnung von 1330 bezieht sich auf den nordwestlichen Thüringer Wald. Sie ist kein Beleg dafür, dass es damals bereits den Berggasthof Brand gab.
Um 1830 gab Julius von Plänckner der modernen Route von der Werra zur Saale eine prägende Form. Karten und Wanderliteratur halfen, den Weg als zusammenhängende Strecke wahrzunehmen. Mit der Gründung des Rennsteigvereins 1896 erhielt diese Entwicklung weiteren Rückhalt. Aus vielen historischen Wegbeziehungen wurde zunehmend auch ein Ziel für Menschen, die bewusst in die Berge kamen, um zu wandern.
Damit veränderte sich der Blick auf den Wald. Er blieb Wirtschafts- und Arbeitsraum, wurde aber zugleich als Landschaft erlebt: als Strecke, Aussicht, körperliche Herausforderung und Gelegenheit zum Aufenthalt. Diese neue Wahrnehmung bildet den regionalen Hintergrund für die spätere Herbergs- und Ausflugsgeschichte des Berggasthofs. Ein Gebäude am Weg konnte eine andere Aufgabe erhalten, wenn die Menschen den Weg aus anderen Gründen benutzten.

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Der Berggasthof ist mit dem Rennsteig also nicht nur durch seine Lage verbunden. Seine Nutzungsgeschichte spiegelt einen größeren Wandel: vom Arbeiten im Gebirge zum bewussten Aufenthalt in der Landschaft. Die älteren Wege und Grenzen verschwanden dadurch nicht aus der Geschichte. Sie wurden Teil dessen, was Wanderer später vorfanden – und was sich auch heute noch beim Gehen, Lesen und genaueren Hinsehen entdecken lässt.
Ein Weg verbindet Orte. Mit der Zeit verbindet er auch ihre Geschichten.
Der Stein unter unseren Füßen
Bevor der heutige Berggasthof eine Herberge war, war er ein Arbeitsort der Griffelindustrie. Ein früher, unmittelbar auf den heutigen Berggasthof bezogener Beleg stammt von 1885. Der Geologe H. Loretz nennt in den Erläuterungen zum Kartenblatt Spechtsbrunn ausdrücklich die Griffelbrüche beim heutigen Berggasthof. Sogar Trilobitenfunde aus einem der Brüche werden beschrieben. Der Ort war damit bereits als Abbaustelle bekannt, bevor die späteren Großhüttenbauten entstanden.
Griffelschiefer eignete sich zur Herstellung von Schreibgriffeln für Schiefertafeln. Aus Gestein, das im Gebirge gewonnen wurde, entstand ein alltägliches Schreibgerät. Loretz beschreibt zugleich den Rennsteig über Ernstthal, den Berggasthof und Spechtsbrunn. Gestein, Arbeitsplätze und Wege erscheinen in seiner Darstellung als Bestandteile derselben Berglandschaft zwischen Thüringer Wald und Frankenwald.

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Wie aufwendig die Verarbeitung war, macht eine historische Darstellung der Griffelindustrie aus dem Jahr 1900 anschaulich. Der gebrochene Stein musste feucht bleiben, wurde zugeschnitten und gespalten und anschließend mit Werkzeugen in die gewünschte Form gebracht. Frauen und Kinder waren an Veredelung und Verpackung beteiligt. Der eingeatmete Schieferstaub gefährdete die Gesundheit. Diese Arbeit lässt sich deshalb nicht zu einer malerischen Handwerksszene verkürzen.
Die Erzeugnisse aus Hasenthal, Haselbach, Spechtsbrunn und Steinach gingen in einen Handel, der weit über die Nachbarorte hinausreichte. Der historische Text beschreibt die regionale Industrie, nicht jede einzelne Werkstatt beim heutigen Berggasthof. Er vermittelt dennoch, wie viele Arbeitsschritte zwischen Steinbruch und fertigem Griffel lagen. Das Deutsche Schiefermuseum in Steinach und der GeoPfad Hasenthal erschließen diesen Zusammenhang heute. Wer ihre Perspektive mitnimmt, erkennt im Wald nicht nur einen Ort der Erholung, sondern auch Spuren einer mühsamen Erwerbsarbeit.
Die Großhütte beim heutigen Berggasthof
1891 übernahm der Staat Sachsen-Meiningen die regionalen Griffelbrüche. Davon berichtet ein zeitgenössischer Rückblick im „Steinarbeiter“ von 1928. Die Arbeit wurde stärker gebündelt und technisch verändert. Der Berggasthof gehört zu dieser Entwicklung; das Jahr der staatlichen Übernahme ist allerdings nicht sein Gründungsjahr als Gasthof. Zunächst ging es um die Organisation der Produktion.
Für die Großhütte nennen die zugänglichen Darstellungen zwei Jahreszahlen. Wikipedia unterscheidet einen ersten Bau von 1896 und eine Erweiterung beziehungsweise Modernisierung von 1905. Wolfgang Wiegands lokale Chronik setzt die Großhütte beim Jahr 1905 an. Möglich sind zwei Bauphasen. Solange die zugrunde liegenden Bauunterlagen und die Denkmaltopographie nicht vollständig abgeglichen sind, bleiben beide Angaben als Quellenbefund nebeneinander stehen.
Auch in Piesau wuchs die gewerbliche Vielfalt. Die örtliche Darstellung nennt 1886 als Gründungsjahr der Porzellanfabrik Bernhardt und Bauer; andere Darstellungen weichen davon ab. Figuren, Kinderservice und technisches Porzellan gehörten zu ihren Erzeugnissen. Die Nachbarschaft zu Lichte und Wallendorf verband Piesau mit einem weiteren traditionsreichen Gewerbe. Die Ortsgeschichte nennt später die Enteignung von 1948, das Ende der Porzellanherstellung um 1990 und den Abriss der Gebäude 1999. Alte Ansichten bewahren dadurch auch Bilder einer industriellen Landschaft, die inzwischen teilweise verschwunden ist.
Zum wirtschaftlichen Wandel gehörte der Transport. Am 31. Oktober 1913 wurde nach der Darstellung der Max-und-Moritzbahn-Initiative der Lückenschluss von Bock-Wallendorf nach Lauscha eröffnet. Ernstthal lag an diesem Übergang über die Höhen. Die Bahn erleichterte den Transport von Rohstoffen, Brennstoffen und fertigen Waren und zugleich die Anreise in die Gebirgsorte. Sie bildete eine neue Verbindung zwischen den Tälern; daraus lässt sich jedoch keine besondere Bahnverbindung des Gasthofs selbst ableiten. Historische Bahnhofsaufnahmen erzählen zunächst die Verkehrsgeschichte seiner Region.

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Ein Haus für Wanderer und Begegnungen
Nach Wolfgang Wiegands örtlicher Chronik endete die Produktion beim heutigen Berggasthof 1930. Damit verlor der bisherige Arbeitsort seine ursprüngliche Aufgabe. Eine Jugendherberge und die Naumburger Stube des Thüringerwaldvereins markieren in seiner Darstellung den Übergang zu einer neuen Nutzung. Nun kamen Menschen zum Aufenthalt an einen Ort, der zuvor von der Verarbeitung des Steins geprägt gewesen war.
Für 1936 nennt Wiegand die Verpachtung an Paul und Margarete Danz. Wanderer, Feiern und gesellige Veranstaltungen gehören zu diesem Abschnitt der Hausgeschichte. Die Namen und Jahreszahlen stammen aus der lokalen Chronik; sie lassen sich nicht durch die bloße Wiederholung in späteren Texten unabhängig bestätigen. Gerade diese Erinnerung ist dennoch wertvoll: Sie bewahrt, wie der Wandel des Hauses vor Ort erzählt und weitergegeben wurde.

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Die historischen Ansichten des Berggasthofs, die in den Bildquellen ungefähr auf 1930 datiert werden, geben diesem Übergang ein Gesicht. Die Luftansicht zeigt den Ort im Wald, eine weitere Aufnahme das Hauptgebäude. Solche Bilder halten einen Zustand fest, während die Chronik von veränderten Aufgaben berichtet. Beides ergänzt sich, ohne dass ein einzelnes Foto den genauen Beginn eines Betriebs oder einen Pächterwechsel beweisen könnte.
In diesem Kapitel berührt die Geschichte bereits eine Idee, die den Berggasthof heute wieder prägt: gemeinsam für einige Tage an einem Ort bleiben. Das bedeutet keine ununterbrochene Gastgebertradition. Die folgenden Jahrzehnte brachten erhebliche Brüche. Doch der Schritt von der Werkstätte zur Herberge zeigt, wie grundlegend ein Haus seine Bedeutung verändern kann – während sein Platz am Rennsteig bestehen bleibt.

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Ein dunkles Kapitel des Ortes
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Berggasthof in Strukturen des nationalsozialistischen Verfolgungsapparates einbezogen. Sebastian Seiberts Untersuchung von 2023 bezeichnet ihn als „Siegfried-Stellung“ und als letzten bekannten Ausweichort des Amtes VII des Reichssicherheitshauptamtes. Dieser Forschungsbefund erlaubt eine genauere Einordnung als die pauschale Bezeichnung als Gestapo-Leitstelle, die in älteren Darstellungen begegnet.
Seibert beschreibt für 1945 die Verlagerung der Bibliothek der Auskunftei nach Spechtsbrunn und verweist unter anderem auf einen Aktenvermerk vom 24. März 1945 im Bundesarchiv. Der Berggasthof steht damit in einem Zusammenhang von NS-Verfolgung und Kulturgutraub. Die genaue Verteilung der Bestände und die örtlichen Abläufe sind weiter zu erforschen. Große Buchmengen, die für andere Auslagerungsorte genannt werden, dürfen nicht einfach diesem Haus zugeschrieben werden.
Eine weitere Verbindung führt zur Germanistin Agathe Lasch. Matthias Harbeck berichtet 2010 über ein in Thüringen aufgetauchtes Buch aus ihrer von den Nationalsozialisten geraubten Privatbibliothek. In einer Anmerkung verweist er ausdrücklich auf Wolfgang Wiegands 2002 veröffentlichten Beitrag über den Berggasthof Brand. Einen Weg des Buches über ausgelagerte SS-Bestände bezeichnet Harbeck als wahrscheinlich. Diese Spur verbindet die Ortsgeschichte mit der Erforschung geraubter Bibliotheken.
Die genannten Forschungstexte und die darin nachgewiesenen Archivalien bilden den Ausgangspunkt für weitere Klärungen. Nicht jede Einzelangabe der örtlichen Überlieferung ist damit bereits bestätigt. Hinter den Bibliotheksbeständen stehen Menschen, denen Eigentum und Rechte genommen wurden. Die Spur eines einzelnen Buches kann ihre Namen und Lebensgeschichten wieder sichtbar machen. Diese Erinnerung gehört ebenso zur Geschichte des Berggasthofs wie die Veränderungen seiner Gebäude und Nutzungen.
Der Berggasthof und seine Nachbarorte in der DDR
Für die Zeit nach 1945 berichtet Wolfgang Wiegand zunächst von einer erneuten Gaststättennutzung, später von einem Kinderferienlager und einem Betriebsferienheim. Die Übernahme durch das Ministerium für Staatssicherheit datiert seine Chronik auf 1973, den Bau von acht Finnhütten auf 1975. Diese Angaben kennzeichnen einen weiteren Wandel des Ortes und bleiben als Aussagen der lokalen Chronik zu lesen.
Ein amtlicher Archivnachweis bestätigt unabhängig den institutionellen Zusammenhang. Im Thüringer Archivportal ist eine Akte über Standortgenehmigungen für Objekte des Ministeriums für Staatssicherheit mit der Laufzeit 1974 bis 1987 verzeichnet. Sie nennt ausdrücklich das „Mehrzweckobjekt Brand“ in Spechtsbrunn. Der Nachweis steht im Bestand 4-61-0001 unter der Signatur 26374. Der Katalogeintrag belegt die Archivspur; ohne Einsicht in die Akte bestätigt er nicht zugleich jedes überlieferte Baujahr oder einzelne Nutzungsdetail.

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Parallel wurden die Betriebe der Nachbarorte in die staatlich gelenkte Industrie eingebunden. Die Ortsdarstellung zum Glasmacherpark nennt für 1949 die Vereinigung der Oberen und Unteren Hütte zu den Hohlglaswerken Piesau. 1977 folgte der Zusammenschluss mit dem Glaswerk Ernstthal. Die beiden Dörfer waren dadurch zeitweise nicht nur landschaftlich und handwerklich, sondern auch organisatorisch unmittelbar verbunden.
Ferienbetrieb, Industrie und staatliche Institutionen gehörten in dieser Zeit zu unterschiedlichen Seiten derselben regionalen Geschichte. Die abgeschiedene Lage des Berggasthofs allein erklärt seine damalige Nutzung nicht. Ebenso wenig lässt sich der Alltag der Beschäftigten in Piesau und Ernstthal allein aus Betriebsnamen ablesen. Für diesen Abschnitt sind sowohl Akten als auch sorgfältig eingeordnete Erinnerungen wichtig. Die überlieferten Daten bieten Anhaltspunkte, ohne die Erfahrungen der beteiligten Menschen vollständig wiederzugeben.
Ein wieder offener Rennsteig
Die deutsche Teilung unterbrach Verbindungen, die für die Rennsteigregion lange selbstverständlich gewesen waren. Straßen und Waldwege zwischen Nachbarorten wurden gesperrt. Das Grenzregime bedeutete Überwachung, Zwang und tödliche Gefahr. Die regionale Darstellung für Spechtsbrunn dokumentiert auch die Zerstörung des nahen Christiansgrün. Zu einer Geschichte dieser Landschaft gehören deshalb neben Wandern und Erholung auch die gewaltsamen Eingriffe in das Leben ihrer Bewohner.
Im Herbst 1989 öffneten sich Verbindungen nach Tettau wieder. Die zugänglichen Quellen nennen unterschiedliche Tagesdaten; deshalb bleibt hier die allgemeinere Datierung bestehen. Am 28. April 1990 trafen Wanderer aus Ost und West an der Schleifenwiese zusammen und öffneten den Rennsteig. Es war ein Schritt zur Wiederverbindung der Region. Ein Wiedereröffnungsdatum des Berggasthofs lässt sich daraus nicht ableiten.
Auch die industrielle Nachbarschaft veränderte sich. HEINZ-GLAS berichtet von erneuerten Kontakten zwischen Kleintettau und Piesau im Dezember 1989 und der Übernahme des Piesauer Werks im Mai 1991. Die 1990 wieder getrennten Werke von Piesau und Ernstthal nahmen eigene Wege; die Untere Hütte in Piesau stellte 1991 die Produktion ein. Für den Erwerb des Ernstthaler Werks nennt Wiegand-Glas das Jahr 2016.
Auf dem früheren Gelände der Unteren Hütte entstand später eine neue Nutzung mit Gesundheitszentrum, Park und Glasmacherdenkmal. Die 2006 eröffneten Piesauer Traditionsstuben bewahren die Ortsgeschichte. Industrie, Erinnerung und heutiges Leben stehen damit nebeneinander. Die Dörfer sind keine stehen gebliebenen Kulissen; sie verändern sich weiter.
Für den Berggasthof nennt ein älterer Unterkunftseintrag eine Neueröffnung im Dezember 2007 und drei Ferienwohnungen von 2011. Diese Hinweise sind noch mit Eigentümerunterlagen abzugleichen; ein für 2009 genanntes Renovierungsjahr der Finnhütten ist bislang nicht unabhängig bestätigt. Sicher dokumentiert das Gastgeberverzeichnis der Touristinformation Sonneberg von 2015 bereits acht Finnhütten und drei Ferienappartements. Eigene Luft- und Gruppenbilder ergänzen diesen jüngeren Abschnitt. Sie zeigen frühere Aufenthalte und Ansichten, ohne damit automatisch heutige Leistungen zu versprechen.

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12 · Ferienhäuser und Finnhütten am Rennsteig
Euer nächstes Kapitel am Berggasthof
Heute ist der Berggasthof ein Feriendorf für gemeinsame und individuelle Aufenthalte am Rennsteig. Acht Ferienhäuser und drei Ferienwohnungen bieten Platz für höchstens 62 Personen. Wer hier Zeit verbringt, kann die Umgebung als Waldlandschaft erleben – und bei einem Ausflug nach Piesau, Ernstthal, Lauscha oder Steinach entdecken, wie viel Geschichte darin steckt.

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Von Freitag bis Sonntag gehört das ganze Feriendorf exklusiv eurer Gruppe – ohne weitere Feriengäste: zwei Übernachtungen für pauschal 3.950 Euro und 40 Personen. Gemeinschaftsraum, Kaminzimmer, Gemeinschaftsküche, Außenbereiche und Parkplätze gehören dazu; Endreinigung, Bettwäsche und Handtücher sind enthalten. Die Gruppe gestaltet ihren Aufenthalt selbst; Verpflegung gehört nicht zum Angebot. Die frühere Gastronomie ist geschlossen. Regionale Caterer können von den Gästen direkt beauftragt werden.

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Vielleicht wird es ein Wiedersehen mit der Familie, ein gemeinsames Wochenende mit Freunden oder eine Auszeit mit eurem Verein. Nach einem Tag draußen wieder zusammenkommen, gemeinsam essen und Zeit füreinander haben: Dafür kann der Berggasthof heute euer Ort sein. Die Vergangenheit lässt sich hier kennenlernen. Was ihr miteinander erlebt, kommt als eure eigene Erinnerung hinzu. Auch einzelne Unterkünfte und andere Aufenthaltsdauern könnt ihr anfragen.
Quellen, Spuren & Literatur
Diese Chronik wurde auf Grundlage der folgenden Quellen eigenständig geschrieben. Ortschroniken, Forschung und zeitgenössische Belege werden unterschieden. Die Jahreszahlen erzählen den jeweils belegten Stand; offene Fragen bleiben sichtbar. Historische Bilder zeigen frühere Ansichten, keine Zusage heutiger Ausstattung. Recherchestand: 3. Oktober 2026.
Die Bildquellen und Lizenzen stehen direkt unter den Aufnahmen. Die heutigen Angebotsangaben stammen von den Betreibern.
Wikipedia, dokumentierter Stand vom 18. August 2026. Als Wegweiser zu weiteren Belegen genutzt, nicht als unabhängige Bestätigung der Ortschronik.
Wolfgang Wiegand · örtliche Chronik, archivierte Fassung vom 8. Januar 2017. Mehrere Bau- und Nutzungsdaten sind bislang nur hier überliefert.
Geschichtstafel und Textfassung im örtlichen Bild- und Dokumentenarchiv. Inhaltlich eng mit Wiegands Darstellung verwandt; kein zweiter unabhängiger Beleg. Nicht online veröffentlicht.
H. Loretz · 1885, besonders S. 1 und 6. Zeitgenössischer Nachweis der Griffelbrüche beim heutigen Berggasthof.
August Wilhelm Grube (Sammelwerk), Ausgabe 1910. Abschnitt zur Griffelindustrie nach „Thüringen in Wort und Bild“, 1900. Beschreibt das regionale Gewerbe.
Der Steinarbeiter · 8. Dezember 1928, Beilage zu Nr. 49, PDF-Seite 5. Rückblick auf die regionale Griffelindustrie.
Stadt Sonneberg / GeoInformationsZentrum · GeoPfad und regionale Bergbaugeschichte. In der Recherche auch unter R12 geführt.
Sebastian Seibert · 2023, Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft 515, besonders S. 52 und 55.
Matthias Harbeck · 2010, Bibliothek Forschung und Praxis 34, S. 60–63, besonders S. 62 und Fußnote 11. DOI: 10.1515/bfup.2010.009.
Archivportal Thüringen · Bestand 4-61-0001, Signatur 26374, Laufzeit 1974–1987. Geprüft ist der Katalogeintrag, nicht die Originalakte.
Landkreis Sonneberg / Naturparkinformationszentrum Spechtsbrunn. In der Recherche auch unter R14 geführt. Das Tagesdatum der Grenzübergangsöffnung weicht von R19 ab; im Text steht deshalb Herbst 1989.
Älterer Unterkunftseintrag mit Angaben zu 2007 und 2011. Historische Angebotsbeschreibung; keine Aussage über heute verfügbare Leistungen.
Stadt Steinach · Darstellung des Deutschen Schiefermuseums und der regionalen Griffelgeschichte.
Thomas Schwämmlein · 2005, S. 142–145, ISBN 3-937940-09-X. Weiterführende Literatur; das Original wurde noch nicht eingesehen.
Wolfgang Wiegand · Landkreis Sonneberg – Tradition und Zukunft, Jahrbuch 2002, S. 68–74. Bei Harbeck nachgewiesen; das Original wurde noch nicht eingesehen.
Stadt Lauscha · Orts- und Glashüttengeschichte.
Ortsteil Piesau · Ortschronik. Genehmigung 1621, erste Schmelze 1622 und Ortsgründung 1627 werden unterschieden.
Ortsteil Piesau · Jubiläumsdarstellung 1622–2022.
Anna-Victoria Bognár · in Annette C. Cremer (Hg.), Glas in der Frühen Neuzeit, Heidelberg University Publishing 2022, S. 133–196.
Gerhard Greiner-Bär · vierseitige Darstellung, bereitgestellt von Lauscha Glaskunst.
Stadt Saalfeld · Stadtgeschichtsheft 11–12. Die Angaben zu Johann Ernst, Ernstthal und Henriettenthal wurden über den verfügbaren Textauszug geprüft.
Elke Schönfelder / Ortsteil Piesau · Kleinstaaten und örtliche Überlieferungen. Die Geschichte vom Soldatenwinkel wird als Sage eingeordnet.
Ortsteil Piesau · Biografie des Glas- und Röhrentechnikers Carl Heinrich Florenz Müller (1845–1912).
Ortsteil Piesau · Geschichte der Porzellanfabrik. Das Gründungsjahr 1886 folgt dieser Ortsdarstellung; andere Angaben weichen ab.
Ortsteil Piesau · Untere Hütte, Industriegeschichte und spätere Umnutzung.
Initiative Max und Moritzbahn · Geschichte der Bahnverbindung. Historische Daten sind keine Fahrplanauskunft.
Rennsteigverein 1896 e. V. · Weggeschichte. Die Ersterwähnung 1330 betrifft einen Abschnitt im nordwestlichen Thüringer Wald.
HEINZ-GLAS · Unternehmenschronik, französische Fassung. Kontakte 1989 und Übernahme des Piesauer Werks im Mai 1991.
Wiegand-Glas · Unternehmenschronik, Erwerb des Ernstthaler Werks 2016.
Stadt Neuhaus am Rennweg · Piesauer Ortsgeschichte und Traditionsstuben.
Landesarchiv Thüringen · Findbuch des Forstamts Saalfeld. Geprüft wurden Katalogangaben, nicht die verzeichneten Originalakten.
Deutsche Kinemathek / Bundeszentrale für politische Bildung · Bildkatalog, datiert auf den 24. November 1989. Die Aufnahme wird hier nicht wiedergegeben.
Touristinformation und Naturparkcenter Sonneberg · Gastgeberverzeichnis 2015, PDF-Seite 19. Beleg für acht Finnhütten und drei Ferienappartements zu diesem Zeitpunkt.